Češka Priesner: Sensible Verdichtung trifft Wohnqualität – Revisited
Text: David Pasek
Fotos: Dominik Köhle, David Pasek
Einen guten Wohnbau zu planen hat in Wien zum Glück Tradition. Es gibt eine Reihe von ArchitektInnen, die eine hohes Niveau pflegen, und ČPPA (Eva Češka, Friedrich Priesner und Partner) zeigten bisher mit jedem ihrer mir bekannten Projekte, dass sie zu diesem Kreis gehören.
Ein Wohnbau muss sich aber immer erst im Leben bewähren und deshalb haben wir die Anlage rund zehn Jahre nach dem ersten Bericht im Rahmen der Serie „Revisited“ noch einmal besucht.
architektur.aktuell 2001-01-02 Printausgabe – Ceska Priesner – Suburbia – was ist das?
Jedes realisierte Projekt ist durch eine bestimmten Haltung zum Umfeld definiert, beeinflusst durch die Projektion einer Zukunftsvision – An dieser schnitzen viele, nicht nur die Architekten, sondern auch Raum- und Städteplaner, aber natürlich auch der Auftraggeber.
Die Umgebung des vorstädtischen, fast noch dörflichen Siegesplatzes in der Donaustadt wird, befeuert durch gewaltige Infrastrukturinvestitionen, immer stärker verdichtet. ČPPA haben hier eine Struktur entwickelt, die als behutsamer städtischer Baustein bezeichnet werden kann, und die maßstäblich den Bewohnern gegenüber sehr sensibel ist.
Das längliche Grundstück der Genossenschaft Frieden verbindet den Siegesplatz mit der Benjowskygasse. An beiden Enden steht ein mehrgeschossiger Bauteil. Die Erschließung des nördlichen Bauteils am Siegesplatz, erfolgt über einen Laubengang, der zur Straße hin mit einem Betonband und einem sehr tief gezogenem Pultdach abgeschirmt ist. Das Betonband definiert präzise interessante Ausblicke und öffnet funktionelle Beziehungen – der untere Teil des Pultdaches ist verglast und die Schatten der einfachen Tragkonstruktion rhythmisiert den Zwischenraum. Im Innenbereich des Laubengangs verwendeten ČPPA Strukturwalzen, um der Hauswand eine besondere Patina zu verpassen, welche durch ihr Muster Erinnerungen an die Flure aus der Kindheit wecken. In diesem Bauteil gibt es eine besondere Art von Wohnungen: es sind Singlemaisonetten – also kleine zweigeschossige Wohnungen. Vorweg gab es Sorgen, ob diese überhaupt Interessenten finden würden, aber diese wurden zerstreut und die Wohnungen waren lange vor der Fertigstellung vergeben.
An der Seite zum belebten Siegesplatz wünschten sich die Architekten eine öffentliche Nutzung: Diese kam mit einer Postfiliale reichlich spät und verursachte dadurch Verzögerungen im Bauablauf.
Am anderen Grundstücksende ist das abschließende Gebäude gleich hoch, die Erschließung ist zwar auch offen, aber die einzelnen Teile des Gebäudes sind um die Treppen und Gänge herum angeordnet. An der gegenüberliegenden Straßenseite fängt die Einfamilienhausbebauung an, und der Übergang dahin ist besonders sensibel gelöst: mit Loggien wurde die Straßenseite gestaffelt und so die Höhe relativiert.
Horizontale Verdichtung
Dazwischen wurde jeweils an den Rändern rhythmisch gegliederte Hofhäuser gebaut. Jedes Haus hat zum halböffentlichem Raum einen verzinkten Windfang und ein Fenster zur Küche. Davor ist ein kleiner Bereich, der zur Bepflanzung gedacht ist, und etwas mehr Intimität schafft. Einige Bewohner haben dieses Angebot angenommen.
Auf das Flachdach der Häuser ist ein verblechtes Dreiecksprisma aufgesetzt, in welchem sich eine Galerie befindet. Zur Planungszeit war es möglich, daraus ein weiteres Zimmer (ein Atelier) zu machen. Zum Zeitpunkt der Übergabe haben die Bewohner jeweils den offenen Raum bevorzugt.
Die beiden Zeilen der Hofhäuser nehme die nach Süden zusammenlaufenden Grundstücksgrenzen auf, was räumlich am Verbindungsweg spürbar ist: dieser wird nach Süden hin schmäler, bis man, nach der engsten Stelle, einen gemeinsamen Freiraum erreicht.
Hier ist eine Kante der Tiefgarage in der Gartengestaltung ablesbar, die nicht wie geplant komplett eingegraben wurde. Das resultiert aus einem besonders hohem Grundwasserspiegel zu Bauzeit, ist aber ein spannendes Element der Außenanlage geworden. Die Freiräume werden von den Bewohnern sehr gut angenommen und haben einen eigenständigen Charakter entwickelt haben.
Durchgängiges Element der Anlage ist, dass alle Wohnungseingangstüren Orange sind. Besonders an der Seite zum Siegesplatz ist dies spannend, wo die Farbe immer wieder in den Straßenraum leuchtet. Die gegenteilige Strategie haben Eva Češka und Friedrich Priesner beim Putz verfolgt und dabei verschiedene Farbnuancen von Sandtönen verwendet: Wenn man genau schaut und diese Information hat, dann erkennt man diese feinen Unterschiede auch heute noch.
Lernen auf höchstem Niveau
Die Kleinteiligkeit der Anlage, die zu einer großen Oberfläche im Verhältnis zum Volumen führt, wäre unter den heutigen Vorgaben nur schwer machbar – aber das trifft natürlich viele Gebäude.
Nachdem sich Česka Priesner und Partner laufend mit Wohnbauprojekten beschäftigen, gibt es einige Kleinigkeiten, die seither bei folgenden Projekten adaptiert wurden: Für Durchgänge sind Putzfassaden nicht besonders gut geeignet und altern schneller – höherwertige oder abwaschbare Oberflächen sind besser geeignet. Obwohl offene Treppen aus Sicht des Brandschutzes günstig sind, ist der Komfort in der kalten Jahreszeit eingeschränkt, vor allem wenn Schneeverwehungen möglich sind. Wenn es möglich ist, empfiehlt es sich auch eine Art Regalbrett bei Terrassen und Balkonen vorzusehen um den Bewohnern einen Platz für die Topfpflanzen anzubieten.
Die Genossenschaft Frieden hat seither ein paar Kleinigkeiten ergänzt und angepasst, und dies auch ohne Zutun der Autoren, aber durchaus in der Formensprache der Anlage. Einzig die neue Einzäunung der Entlüftungshutzen aus der Tiefgarage, die Verletzungen von spielenden Kindern vorbeugen soll, hat Architekt Friedrich Priesner verwundert.
- ČPPA – Siegesplatz (c) David Pasek
- ČPPA – Siegesplatz – Durchblick zum Laubengang (c) David Pasek
- ČPPA – Siegesplatz – Eingang Laubengang (c) Dominik Köhle
- ČPPA – Siegesplatz – Glaspultdach (c) Dominik Köhle
- ČPPA – Siegesplatz – Detail Absturzsicherung (c) Dominik Köhle
- ČPPA – Siegesplatz – Duchblick Laubengang (c) David Pasek
- ČPPA – Siegesplatz – Laubengang (c) David Pasek
- ČPPA – Siegesplatz – Hofhäuser (c) David Pasek
- ČPPA – Siegesplatz – Windfang (c) David Pasek
- ČPPA – Siegesplatz – Prismen der Hofhäuser (c) Dominik Köhle
- ČPPA – Siegesplatz – Freiraum (c) Dominik Köhle
- ČPPA – Benjowskygasse (c) David Pasek
- ČPPA – Siegesplatz – Einfriedung Privatgärten (c) Dominik Köhle
- ČPPA – Siegesplatz – Blick auf Bauteil Siegesplatz (c) Dominik Köhle
Technische Daten
Adresse: 1220 Wien, Siegesplatz 18-19
Bauherr: Frieden, Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft
Planung: Češka-Priesner-Architektur
Statik: Dipl. Ing. Johann Sittner, Hinterbrühl
Grundstücksfläche: 5.249m2
Nutzfläche: 3.954m2
Bebaute Fläche: 2.956m2
Umbauter Raum: 17.080m2
Planungsbeginn: 1993
Baubeginn: 1998
Fertigstellung: 2000
Baukosten netto: ca. 57,9 Mio. öS
Kosten pro m²: ca. 14.640,- öS
the art of building
Einzelheft, ISSN: 0570-6602, Ausgabe: 2001-1-2
[:en] the art of building
Single Issue, ISSN: 0570-6602, Issue: 2001-1-2



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